Dieser Inhalt benötigt den Adobe Flash Player. Diesen können Sie unter http://www.adobe.com/go/getflashplayer kostenlos herunterladen.

Neuroleptika: Arzneien für spezielle Fälle



Neuroleptika sind Medikamente, die zur Behandlung von psychischen Störungen (Psychosen) verordnet werden. Sie wirken antipsychotisch und sedierend (beruhigend).

Neuroleptika sind wörtlich genommen „Nervendämpfungsmittel“, die eine ausgleichende Wirkung auf die Psyche haben und daher bei Patienten und auch bei Ärzten in bestimmen Situationen sehr geschätzt sind. Durch ihren entlastenden Effekt bergen sie aber auch ein großes Missbrauchspotenzial für Menschen, die sich psychisch unter Druck fühlen.

Erhebliche Nebenwirkungen

Neuroleptika haben eine ganze Reihe von teils erheblichen Nebenwirkungen: Besonders gefürchtet sind die sogenannten Spätdyskinesien, also Bewegungsstörungen vor allem der Gesichtsmuskulatur, die mit unwillkürlichem Grimassieren, Schmatz- und Kaubewegungen einhergehen. Auch die Extremitäten können bisweilen bizarr erscheinende Bewegungsmuster zeigen. Diese können nach langdauernder Einnahme stark wirksamer Neuroleptika auch noch sehr lange Zeit nach der Einnahme auftreten – nach Jahren, in Extremfällen auch erst Jahrzehnte später.

Weitere mögliche Nebenwirkungen sind Gewichtszunahme, Störungen von Aufmerksamkeit und Gedächtnis, Stoffwechselveränderungen, nachteilige Wirkungen auf Herz, Gefäße und das blutbildende System, Krampfanfälle und andere.

Man unterscheidet die herkömmlichen (typischen) Neuroleptika von den neueren, sogenannten „atypischen“ Neuroleptika. Während die typischen, und hier insbesondere die stark wirksamen Neuroleptika, zu denen zum Beispiel die Arzneistoffe Haloperidol und Fluspirilen gehören, für Nebenwirkungen im Sinne der oben genannten Spätdyskinesien bekannt sind, sind die atypischen, neueren Wirkstoffe diesbezüglich als günstiger zu beurteilen. Sie werden also als atypisch bezeichnet, weil sie die von den Neuroleptika bekannten typischen Nebenwirkungen seltener hervorrufen.

Einnahme nicht immer gerechtfertigt

Häufig nehmen alte Menschen in Heimen Neuroleptika ein. Die Medikamente bewirken, dass die Betroffenen vergleichsweise indifferent werden, also keine ausgeprägten emotionalen Hochs und Tiefs mehr erleben. Dadurch zeigen sie keine „auffälligen“ Verhaltensweisen mehr – ein durchaus gewünschter Zustand in Gemeinschaftsunterkünften, aber ein möglicherweise gefährlicher und nachteiliger für die Gesundheit.

Besonders ungünstig ist die zu häufige Verordnung von Neuroleptika bei Patienten mit Demenz: Wie in Untersuchungen gezeigt werden konnte, bekommen viele dieser Patienten über längere Zeit recht unspezifisch Neuroleptika verordnet, die eigentlich einer differenzierteren Therapie bedürften. Obwohl sich im Rahmen einer organischen Hirnerkrankung, beispielsweise einer Altersdemenz, eine Psychose ausbilden kann, ist die Anwendung von Neuroleptika nur in manchen Fällen gerechtfertigt. Neuroleptika können bei Demenzpatienten schwere unerwünschte Wirkungen, unter anderem am Herzen, hervorrufen und das Sterberisiko erhöhen.

In den Empfehlungen (Therapieleitlinien) der Fachgesellschaften werden für Demenzpatienten nur atypische Neuroleptika und diese wiederum nur kurzfristig bei Vorliegen psychotischer Symptome empfohlen. Weiterführende Themen Autoren und Quellen